Kognitive Beteiligung im Kindergarten – Eine qualitativ-rekonstruktive Videoanalyse in deutschschweizer Kindergärten
Im Bereich der Unterrichtsforschung stellt die kognitive Aktivierung ein zentrales Qualitätsmerkmal von Unterricht dar. Neben der Klassenführung und der konstruktiven Unterstützung gilt die kognitive Aktivierung als ein viel beforschtes Basismerkmal guten Unterrichts (Wemmer-Rogh et al., 2024). Die bisherige Forschung zu diesem Thema zeichnet sich durch eine stark lehrerseitige Gewichtung aus. So wurde bisher vorwiegend das Handeln der Lehrperson und dessen Auswirkung auf das Lernen der Kinder untersucht. Zudem basieren die vorliegenden Resultate vorwiegend auf quantitativen Studien aus dem Mathematikunterricht (Klieme, 2019; Schreyer et al., 2024).
Für die Lehrperson ist es im Unterricht zentral, abschätzen zu können ob und wie die Kinder kognitiv am Unterricht beteiligt sind. Das kognitive Bezogen-Sein auf den Unterricht von Lernenden kann für die Lehrperson durch verschiedenen Indikatoren sichtbar gemacht werden (Dinkelaker, 2024). Solche Indikatoren können sowohl verbaler als auch non-verbaler Art sein (z.B. Blickrichtung, Mimik und Gestik, Meldeverhalten). Somit kann die Lehrperson durch eine passende Diagnose den Unterrichtsablauf didaktisch-pädagogisch adaptiv gestalten.
Hier setzt das vorliegende Forschungsprojekt an. Anhand folgender Fragestellungen wird die kognitive Beteiligung der Lernenden im klassenöffentlichen Unterrichtsgespräch analysiert:
- Wie zeigt sich kognitive Beteiligung im klassenöffentlichen Kindergartenunterricht?
- Welche Praktiken von Lehrenden und Lernenden dokumentieren kognitive Beteiligung in Unterrichtsinterkationen?
- Wie wird kognitive Beteiligung im klassenöffentlichen Kindergartenunterricht sequenziell hergestellt?
- Wie integriert die Lehrperson Indikatoren der kognitiven Beteiligung von Lernenden in den Unterrichtsverlauf?
Mit der Methode der «Dokumentarischen Unterrichtsforschung» nach Asbrand & Martens (2018) wird die kognitive Beteiligung in mehreren videographierten Sequenzen im klassenöffentlichen Unterrichtsgespräch in verschiedenen deutschschweizer Kindergärten rekonstruiert. Das Forschungsprojekt basiert auf einem Teildatensatz des SNF-Projektes «ProSpiK – Prozesse der Sprachförderung im Kindergarten», welches am Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz durchgeführt worden ist (Isler, 2016).
(Dissertationsprojekt von Gabriela Ineichen; Betreuung: Prof. Dr. Christine Pauli; Finanzierung: Interne Projektförderung und OFP PHSZ)